AiD Presse-News – Angeln hilft Naturschutz2019-06-11T15:30:49+00:00

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PRESSE-NEWS

11.06.2019

Angeln hilft Naturschutz
Von Partnerschaften und dem Bau neuer Gewässer!

AiD Presse-News - Angeln hilft Naturschutz - Renaturierung der Wapel

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Immer wieder kommt es in Deutschland zu Konflikten im Zusammenhang mit der Ausweisung von
Naturschutz und Landschaftsschutzgebieten zur Sicherung von FFH-Gebieten (Flora-Fauna-
Habitatgebieten). In vielen dieser Gebiete gibt es seit jeher eine fischereiliche Nutzung.

Angelvereine beklagen, dass sich Schutzgebiete zwar über viele Jahre mit der schoenden Nutzung,
als auch der ehrenamtlichen Hege und Pflege durch Angler entwickelt haben, sie dann jedoch im
Zuge neuer Verordnungen mit unverhältnismäßigen Betretungs- und / oder Nutzungsverboten
belegt werden.

Das es auch anders geht, zeigt die gelebte Praxis beim Sportfischerverband im Landesfischerverband
Weser-Ems e.V. Wir haben uns mit der Leiterin des Fachbereichs Umwelt Kirstin Meyer (Landkreis
Emsland) und derm Leiter des Fachbereichs Umwelt Jochen Meier (Landkreis Friesland) getroffen
und nachgefragt, worauf es ankommt.

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DAFV:
Frau Kirstin Meyer, Herr Meier, Sie leiten den Fachbereich Umwelt in Ihrem
jeweiligen Landkreis und sind damit auch für die Ausweisung, Erhaltung und
Entwicklung von Naturschutzgebieten verantwortlich. In vielen dieser Gebiete
gibt es traditionell auch eine fischereiliche Nutzung durch Angler.
Sehen Sie darin einen Widerspruch?

Kirstin Meyer:
Nein, grundsätzlich sehe ich keinen Widerspruch zwischen einer fischereilichen
Nutzung und den Zielen des Naturschutz. Im Einzelfall mag es möglich sein,
gewisse Einschränkungen zu verordnen, aber das ist eher die Ausnahme als die
Regel, dazu betrifft es immer nur bestimmte Bereiche, bei denen die Angler
auch die Möglichkeit haben, auf Alternativen auszuweichen.

Kirstin Meyer - Leiterin des Fachbereichs Umwelt im Landkreis Emsland

Kirstin Meyer
Leiterin des Fachbereichs
Umwelt im Landkreis Emsland

Jochen Meier - Leiter des Fachbereichs Umwelt im Landkreis Friesland

Jochen Meier
Leiterin des Fachbereichs
Umwelt im Landkreis Friesland

Jochen Meier:
Nein. Wir beteiligen nach dem Naturschutzrecht alle gesetzlichen berechtigten
Akteure an den Prozessen im Zusammenhang mit Naturschutzgebieten. Als
anerkannte Naturschutzvereinigungen sitzen die Angelverbände da von Anfang
an mit am Tisch. Es ist die Aufgabe der organisierten Angler, für die Fischhege
zu sorgen, da sehen wir eine Reihe von Synergien. Wir haben es in der Regel
immer geschafft, sowohl die Ziele der Fischerei als auch die Ziele des einzelnen
Artenschutzes zu wahren.

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DAVF:
In der Vergangenheit wurden Kooperationen mit dem Sportfischerverband im Landesverband Weser-Ems e.V.
und den ansässigen Angelvereinen Projekte zur Verbesserung der Artenvielfalt in aquatischen Lebensräumen
und insbesondere der Fischfauna erfolgreich durchgeführt.
Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit in der Nachschau?

Jochen Meier:
Das hat gut funktioniert. In einem Projekt ging es um die Revitalisierung eines geradlinig ausgebauten Gewässers.
Das war eine Zusammenarbeit mit der Niedersächsischen Landesforsten zur Entwicklung eines FFH-Gebietes.
Der Fischereiverband hat uns dabei laufend über den Stand und die Entwicklungsfortschritte informiert.
Probleme haben wir gemeinschaftlich gelöst.

Kirstin Meyer:
Ich finde, dass die Zusammenarbeit gut funktioniert, etwas anderes zu behaupten, würde mir schwerfallen.
Das mag daran liegen, dass beide Seiten nicht von Eitelkeiten leben. Dazu haben beide Seiten sich über die
Beteiligung auch weiterentwickelt.

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DAFV:
Worauf kommt es aus Ihrer Sicht bei der Zusammenarbeit mit
angestammten 
Nutzergruppen am meisten an?

Jochen Meier:
Wir haben oft ein Spannungsfeld zwischen der Landwirtschaft und den
Entwässerungsverbänden mit der Fischerei. Die Entwässerungsverbände
machen genau das, was der Fischhege entgegensteht. Die möchten möglichst
begradigte Kanäle, welche das Wasser ohne viel Unterhaltungsaufwand
ungehindert abtransportieren. Das ist das Gegenteil von einem biologisch
wertvollen Gewässerverlauf. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die
Kommunikation und das Verständnis füreinander dabei eine wichtige Rolle
spielen. Das Steht bald ein Verfahren an, bei dem wir alle Akteure an einen
Tisch bringen, um dafür zu sorgen, dass nicht nur die Gewässerunterhaltung,
sondern auch die Fischhege und der Naturschutz wieder mehr im Vordergrund
stehen.

Kirstin Meyer:
Reden, reden, reden und eine frühzeitige Einbindung der beteiligten Interessen-
gruppen. Wenn Herr Dr. Salva uns einen Projektvorschlag unterbreitet, dann sind
wir ja schon im Gespräch. Es gilt ein gemeinsames Verständnis für die eigenen
Ziele des anderen zu schaffen und dann zu überlegen, wie beides zusammenpasst.
Für uns geht es darum, mit den jeweiligen Interessengruppen zusammenzuarbeiten
und dabei den Schutzzweck nicht außer Acht zu lassen. Nicht mit allen Nutzergruppen
funktioniert der Dialog so gut wie mit den Angelvereinen.


DAFV:

Und was bedeutet das im Ergebnis, wenn der Dialog nicht funktioniert? 

Kirstin Meyer:
Im Ergebnis? Im allerschlimmsten Ergebnis landen wir im Normenkontrollverfahren
und das ist für alle Beteiligten das Schlimmste, was passieren kann.
Reden, reden, reden und eine frühzeitige Einbindung der beteiligten Interessen

AiD Presse-News - Angeln hilft Naturschutz - Die Wapel vor der Renaturierung

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Begradigung und trapezförmig ausgebaut.
So sah die Wapel vor der Maßnahme aus.
Viele Fische finden hier keinen geeigneten
Lebensraum mehr.

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DAVF:
In vielen anderen Bundesländern werden Renaturierungsmaßnahmen an Gewässern von Behörden ohne
engere Einbeziehung der Angler vor Ort umgesetzt. Oft mit dem Ergebnis, dass fischökologische Aspekte
nicht oder nur unzureichend berücksichtigt werden. In Ihrem Landkreis fungieren die Angelvereine als
Projektträger und der Landesfischereiverband übernimmt die Arbeiten, welche sonst Ingenieurbüros
erfüllen.
Machen Sie damit nicht den Bock zum Gärtner?

Kirstin Meyer:
Ich glaube, dass wir mit dem Landesfischereiverband und Herrn Dr. Salva einen sehr fleißigen Gärtner
haben, der nicht nur versucht, „das Gemüse“ anzubauen, sondern auch versucht, die gesamte Ökologie mit
einzubinden. Es ist halt nicht diese Brille: „meine Fische“ und „nur meine Fische“, sondern es geht um den
gemeinsamen Nutzen.

Jochen Meier:
Ganz und gar nicht. Wir haben bei der Ausweisung von NSG eine Wertgebung oder eine wertgebende Art.
Was hilft es uns, wenn wir Naturschutzgebiete ausweisen zum Schutz einer wertgebenden Art, aber zu
Lasten der Fischfauna. Ich glaube, dann erfüllen wir unsere Aufgabe nicht. Die Angler tragen, was die
Hege  der Fischbestände angeht, gute Beiträge an uns heran, damit wir auch diese artenschutzrechtliche
Problemstellung lösen können. Wir stellen in vielen Fällen auch Anfragen an den Landesfischereiverband
Weser Ems, welche 1:1 umgesetzt wurden, damit die Fischhege auch gewährleistet Ist. Wenn wir über
Gewässer reden, dann nutzen wir gerne die fachliche Kompetenz der Angelverbände und Vereine. Bei uns
sind die Angler die Projektträger, das wurde in der Vergangenheit auch von anderen Verbänden kritisiert.
Aber wir wissen, das Dr. Salva in der Vergangenheit schon zahlreiche Projekte erfolgreich umgesetzt hat
und damit sind wir sehr zufrieden. Das bestätigen auch die Monotoringmaßnahmen durch unabhängige
Wissenschaftler.

AiD Presse-News - DAFV im Gespräch mit Jochen Meier

Zitat:
„Was hilft es uns, wenn wir Naturschutzgebiete ausweisen

zum Schutz einer wertgebenden Art, aber zu Lasten der Fischfauna.
Ich glaube, dann erfüllen wir unsere Aufgabe nicht“.

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DAVF:
Die Durchführung von kostenintensiven Projekten durch die lokalen Angelvereine hat auch mit Vertrauen
zu tun.
Welchen Beitrag bzw. welche Unterstützung erwarten Sie im Gegenzug von den Anglern?

Jochen Meier:
Wir haben viel davon, dass die Angler auf sensible Gebiete ein Auge werfen. Angler erfüllen eine positive
Aufsichtsfunktion an den Gewässern. Und das nehmen Angler aus unserer Erfahrung auch ernst. Dazu
kann man Angelverbote auch mit geeigneten Handlungsmaßnahmen umgehen. Wir haben z.B. in einem
Schutzgebiet ein Vorkommen der Teichfledermaus. Diese können sich bei ihren nächtlichen Ausflügen
in Angelschnüren verfangen. Statt jetzt das Nachtangeln gänzlich zu verbieten, haben wir die Angler
gebeten, die Rutenspitzen beim Nachtangeln unter Wasser zu halten.

Kirstin Meyer:
Angler betreuen ihr Stück Natur. Wenn Angler ihr Projekt umsetzen und das Projekt auch im Nachgang
betreuen, dann ist das die Wertschöpfung, die wir daraus gewinnen. Der Kontakt zu den Mitgliedern,
ich passe auf das auf, was ich geschaffen habe, ich melde Fehlentwicklungen – diese Art von Kümmern
und Verantwortung ist das, was ich von den Anglern im Gegenzug erwarte.

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DAVF:
In vielen Teilen Deutschlands kommt es immer wieder zu Konflikten über die Verhältnismäßigkeit von
Maßnahmen, um gesteckte Schutzziele zu erreichen. Angelvereine beklagen, dass sich Schutzgebiete zwar
über viele Jahre mit der schonenden Nutzung durch Angler entwickelt haben, sie dann jedoch im Zuge
neuer Verordnungen mit Betretungs- und / oder Nutzungsverboten belegt werden.

Geht es in letzter Konsequenz nicht anders,
als die Menschen aus der Natur auszusperren?

Kirstin Meyer:
Jein. Es kommt auf den Einzelfall an und auf die Intensität der Nutzung. Fahren viele Angler mit ihrem
Auto zu ihrem Angelplatz, hat das eine andere Qualität, als wenn es einzelne sind. Wenn die Nutzung zu
stark ist, muss man es im Einzelfall auch beregeln. Das gilt auch für andere Nutzergruppen wie z. B.
Wassersportler in gleicher Weise. Grundsätzlich halte ich es für wichtig, dass die Menschen ihre Freizeit
in der Natur verbringen. Da gilt der altbekannte Spruch: „Nur was man kennt, das schützt man auch“.
Deswegen unterstützen wir auch die Umweltbildung für Kinder und Jugendliche.

Jochen Meier:
Es gibt wenige Ausnahmen, wo wir eine fischereiliche Nutzung ausgeschlossen haben. In der Regel
versuchen wir das zu vermeiden. An den Fließgewässern haben wir keinerlei Angelverbote. In wenigen
Gebieten von stehenden Gewässern, die extra dafür eingerichtet wurden, haben wir eine Reihe von
Arten, die auf der roten Liste stehen. Abder diese Gebiete haben auch in der Vergangenheit keine
fischereiliche Nutzung gehabt. In einem NSG haben wir explizit die Angelei erlaubt, um auch Leute
davon abzuhalten, imSommer dort ständig baden zu gehen.

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DAVF:
Gibt es aus Ihrer Sicht auch positive Effekte einer nachhaltigen fischerilichen Nutzung

von Schutzgebieten für die Erreichung von Schutzzielen?

Jochen Meier:
Vereine weisen uns auf Müllablagerungen oder andere nicht gewünschte Aktivitäten in den Schutzgebieten
hin. Wir konnten auf Grundlage von Anzeigen durch Angler mehrere ordnungsrechtliche Verfahren einleiten.
Das Thema Abfall gehört auch zu meinem Bereich, und Angler haben uns zum Beispiel darauf hingewiesen,
dass jemand alte Säcke in einem Schutzgebiet entsorgt hat. Die Angler sind sensibel vor Ort und das schreckt
Leute ab, an den Gewässern Unfug zu treiben.

Kirstin Meyer:
Angler kümmern sich um die Hege der Fischbestände und erfüllen auch eine positive Aufsichtsfunktion.

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DAVF:
Altarme erfüllen als Kinderstube für viele Fischarten eine wichtige ökologische Funktion, aber auch Altarme
altern, verlieren Anschluss zu ihren Fließgewässern und wandeln sich irgendwann in Auwälder um. Die
natürlichen dynamischen Prozesse zur Entstehung neuer Altarme sind in der überprägten Kulturlandschaft
nicht mehr vorhanden. Anstatt in die Entwicklung bestehender Altarme einzugreifen, sind Sie in Zusammen-
arbeit mit den Anglern dazu übergegangen, neue Altarme zu bauen.

Wie müssen wir uns das vorstellen?

Kirstin Meyer:
Wir sind da ganz pragmatisch unterwegs. Überall dort, wo wir an Flächen rankommen, wo wir Eigentümer
werden oder das Nutzungsrecht erwerben können, gehen wir mit dem Bagger rein. Wir bauen neue Gewässer
und schaffen Verbindungen zu den bestehenden Fließgewässern. Es ist auch unabhängig, ob da in der
Vergangenheit schon mal ein Altarm vorhanden war, sofern die Fläche geeignet ist, lassen wir den Bagger
kommen.

AiD Presse-News - DAFV im Gespräch mit Kirstin Meyer

Zitat:
„Wir sind da ganz persönlich pragmatisch unterwegs:
Überall dort, wo wir an Flächen rankommen,
wo wir Eigentümer werden oder das Naturschutzrecht erwerben können,
gehen wir mit dem Bagger rein.
Wir bauen neue Gewässer und schaffen
Verbindungen zu den bestehenden Fließgewässern“.

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DAVF:
Die praxisnahe Umsetzung von Renaturierungsprojekten mit dem Landesfischereiverband Weser-Ems
und seinen Vereinen ist in Ihrem Landkreis gelebte Praxis.

Wie beurteilen Sie den bisherigen Weg?

Jochen Meier:
Wir haben in der Vergangenheit sehr erfolgreich zusammengearbeitet. Wenn dritte Interessenverbände
mehr Unterstützung geleistet hätten, wären wir noch erfolgreicher gewesen. Derzeit stehen drei weitere
Projekte an, wie zum Beispiel ein Laichhabitat mit Flach- und Tiefwasserzonen, welches später an das
Fließgewässer angeschlossen wird und dort die natürliche Produktivität der Fische stärkt.
Wir haben viel davon, dass die Angler auf sensible Gebiete ein Auge werfen. Angler erfüllen eine positive
Aufsichtsfunktion an den Gewässern. Und das nehmen Angler aus unserer Erfahrung auch ernst. Dazu
kann man Angelverbote auch mit geeigneten Handlungsmaßnahmen umgehen. Wir haben z.B. in einem
Schutzgebiet ein Vorkommen der Teichfledermaus. Diese können sich bei ihren nächtlichen Ausflügen
in Angelschnüren verfangen. Statt jetzt das Nachtangeln gänzlich zu verbieten, haben wir die Angler
gebeten, die Rutenspitzen beim Nachtangeln unter Wasser zu halten.

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DAVF:
In vielen Teilen Deutschlands kommt es immer wieder zu Konflikten über die Verhältnismäßigkeit von
Maßnahmen, um gesteckte Schutzziele zu erreichen. Angelvereine beklagen, dass sich Schutzgebiete zwar
über viele Jahre mit der schonenden Nutzung durch Angler entwickelt haben, sie dann jedoch im Zuge
neuer Verordnungen mit Betretungs- und / oder Nutzungsverboten belegt werden.

Geht es in letzter Konsequenz nicht anders,
als die Menschen aus der Natur auszusperren?

Kirstin Meyer:
Jein. Es kommt auf den Einzelfall an und auf die Intensität der Nutzung. Fahren viele Angler mit ihrem
Auto zu ihrem Angelplatz, hat das eine andere Qualität, als wenn es einzelne sind. Wenn die Nutzung zu
stark ist, muss man es im Einzelfall auch beregeln. Das gilt auch für andere Nutzergruppen wie z. B.
Wassersportler in gleicher Weise. Grundsätzlich halte ich es für wichtig, dass die Menschen ihre Freizeit
in der Natur verbringen. Da gilt der altbekannte Spruch: „Nur was man kennt, das schützt man auch“.
Deswegen unterstützen wir auch die Umweltbildung für Kinder und Jugendliche.

Jochen Meier:
Es gibt wenige Ausnahmen, wo wir eine fischereiliche Nutzung ausgeschlossen haben. In der Regel
versuchen wir das zu vermeiden. An den Fließgewässern haben wir keinerlei Angelverbote. In wenigen
Gebieten von stehenden Gewässern, die extra dafür eingerichtet wurden, haben wir eine Reihe von
Arten, die auf der roten Liste stehen. Abder diese Gebiete haben auch in der Vergangenheit keine
fischereiliche Nutzung gehabt. In einem NSG haben wir explizit die Angelei erlaubt, um auch Leute
davon abzuhalten, imSommer dort ständig baden zu gehen.

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DAVF:
Gibt es aus Ihrer Sicht auch positive Effekte einer nachhaltigen fischerilichen Nutzung

von Schutzgebieten für die Erreichung von Schutzzielen?

Jochen Meier:
Vereine weisen uns auf Müllablagerungen oder andere nicht gewünschte Aktivitäten in den Schutzgebieten
hin. Wir konnten auf Grundlage von Anzeigen durch Angler mehrere ordnungsrechtliche Verfahren einleiten.
Das Thema Abfall gehört auch zu meinem Bereich, und Angler haben uns zum Beispiel darauf hingewiesen,
dass jemand alte Säcke in einem Schutzgebiet entsorgt hat. Die Angler sind sensibel vor Ort und das schreckt
Leute ab, an den Gewässern Unfug zu treiben.

Kirstin Meyer:
Angler kümmern sich um die Hege der Fischbestände und erfüllen auch eine positive Aufsichtsfunktion.

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DAVF:
Altarme erfüllen als Kinderstube für viele Fischarten eine wichtige ökologische Funktion, aber auch Altarme
altern, verlieren Anschluss zu ihren Fließgewässern und wandeln sich irgendwann in Auwälder um. Die
natürlichen dynamischen Prozesse zur Entstehung neuer Altarme sind in der überprägten Kulturlandschaft
nicht mehr vorhanden. Anstatt in die Entwicklung bestehender Altarme einzugreifen, sind Sie in Zusammen-
arbeit mit den Anglern dazu übergegangen, neue Altarme zu bauen.

Wie müssen wir uns das vorstellen?

Kirstin Meyer:
Wir sind da ganz pragmatisch unterwegs. Überall dort, wo wir an Flächen rankommen, wo wir Eigentümer
werden oder das Nutzungsrecht erwerben können, gehen wir mit dem Bagger rein. Wir bauen neue Gewässer
und schaffen Verbindungen zu den bestehenden Fließgewässern. Es ist auch unabhängig, ob da in der
Vergangenheit schon mal ein Altarm vorhanden war, sofern die Fläche geeignet ist, lassen wir den Bagger
kommen.

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DAFV:
In einem aktuellen Bericht warnt die UNO vor unterschätzten Umweltgefahren. Zwar stünden 15 Prozent
der weltweiten Landfläche unter Naturschutz, aber nur die Hälfte der Gebiete sei mit anderen Naturregionen
verbunden. „Schutzgebiete allein retten die Artenvielfalt nicht“, so die Experten, „ihre Verbindung ist die
Verkörperung der Ökologie“. Die fehlende Durchgängigkeit hat vielen Fischarten in Deutschland, die Lebens-
grundlage entzogen. Die Bestände von Lachs, aal, Neunauge und Meerforelle sind dramatisch zurückgegangen.

Kommt der Naturschutz hier an seine Grenzen?

Kirstin Meyer:
Eine gute Frage. Ich glaube, der Naturschutz muss Kompromisse schließen. Es geht nicht, dass wir einen
großen Wurf machen. Wir müssen in kleinen Schritten vorwärtskommen. Wie kann man das, was vorhanden
ist, unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Interessen im Sinne des Naturschutzes optimieren. Es geht
darum, Netzwerke zu verknüpfen, um dadurch die richtigen Ansprechpartner zur richtigen Zeit zu treffen,
und es gilt dicke Bretter zu bohren. Manche Ideen brauchen Jahre, bis sie vielleicht wieder aus der Schublade
geholt werden, weil dann gerade der günstige Moment gekommen ist, sie umzusetzen. Wir stoßen nicht an
Grenzen,  aber wir müssen Kompromisse schließen.

Jochen Meier:
Leider ja.Auf der einen Seite findet schon ein Umdenken statt, aber gerade im Niederungsbereich haben wir
es mit einer Kulturlandschaft zu tun, welche durch Entwässerung entstanden ist. Wenn man dort wieder
funktionierende Strukturen schaffen möchte, ist es nötig, komplette Systeme umzugestalten, und wie schwierig
das ist, habe ich schon im Vorfeld erläutert. Wir tasten uns da Schritt für Schritt ran und versuchen, so viele
Verbesserungen wie möglich umzusetzen, aber ja, wir stoßen da auch immer wieder an Grenzen.

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DAFV:
Fühlen Sie sich mit der Aufgabe vor Ort
durch die fehlenden Rahmenbedingungen alleingelassen?

Jochen Meier:
In Teilen ja. Wir haben ein recht moderates Wassergesetz. Wenn wir bessere gesetzliche Rahmenbedingungen
hätten, könnten wir auch mehr machen. Da läuft ja auch gerade ein Vertragsverletzungsverfahren gegen
Deutschland. Mal sehen wie das ausgeht. Im Augenblick versuchen wir dort wo es geht mit unseren Mitteln
Renaturierungsmaßnahmen umzusetzen.

Kirstin Meyer:
Alleingelassen fühle ich mich nicht, weil ich mich als Landkreis Emsland nicht in vorderster Zuständigkeit sehe.
Das, was wir machen können, setzen wir um, und da spielen die Angler als Partner für uns eine große Rolle,
da sie ja auch als Ideengeber auftreten und sich vor Ort keiner besser auskennt. Ich wüsste jetzt keine Projekt,
wo das in der Vergangenheit nicht funktioniert hat.


DAFV:
Frau Meyer, Herr Meier wir danken Ihnen ganz herzlich für das Interview.

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