AiD Presse-News – Kormoranbestand endlich regulieren2019-09-23T12:07:00+00:00

.
.
Logo AiD Angelportal Angeln in Deutschland
PRESSE-NEWS

26.08.2019

Fische und Fischerei schützen
Kormoranbestand endlich regulieren

AiD Angelportal - Presse News - Fische und Fischerei schützen - Kormoranbestand endlich regulieren

Regionale Erfolge beim Fischartenschutz, Bundesregierung und EU-Kommission tatenlos:
keine Lösung für Deutschland und Europa in Sicht. Forderungen: Bundesnaturschutzgesetz
ändern, Aufnahme des Kormorans in Anhang II der Vogelschutzrichtlinie.

Trotz bedeutender regionaler Erfolge zum Schutz der Fischbestände und der Fischerei vor Kormoranschäden
sind weitere Schritte unbedingt erforderlich.

Zu den Erfolgen zählen die sehr bedeutende Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes Sachsen-Anhalt,
das die Rechtmäßigkeit der Kormoranverordnung von Sachsen-Anhalt im Jahr 2018 bestätigt hat und die im
selben Jahr in Nordrhein-Westfalen in Kraft getretene neue Kormoranverordnung. Auch die Verlängerung der
bayerischen Kormoranverordnung bis 2027 ist ein positives Signal.

1997, als die EU den guten Erhaltungszustand des Kormorans festgestellt hat, gab es in Deutschland 15.000
Brutpaare. Die aktuelle Zahl liegt bei rund 24.500 Brutpaaren, von den alleine 13.600 ihre Nester in
Mecklenburg-Vorpommern haben. Der Herbstbestand liegt somit bei rund 122.500 Kormoranen.

Der tägliche Futterbedarf eines ausgewachsenen Kormorans liegt bei durchschnittlich 500 g Fisch. Folglich
werden täglich rund 60.000 kg Fisch von Kormoranen gefressen. Und bei all diesen Zahlen sind die
durchziehenden Kormorane insbesondere aus den Anliegerstaaten der Ostsee und den Niederlanden noch
gar nicht berücksichtigt!

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Es gibt keine „unbedeutenden Fische“

Die Bewertung vieler Vogelschützer, dass es sich bei den gefressenen oder verletzten Fischen sehr häufig um
wirtschaftlich unbedeutende Fische handelt ist aus Sicht des DAFV nicht zutreffend. Jede Fischart hat in ihrem
Lebensraum eine Bedeutung. Fehlen einige wenige, kann das fatale Auswirkungen haben, wie an der
Rheinland-Pfälzischen Nister wissenschaftlich nachgewiesen wurde.

Der Rückgang von Großfischen in Mittelgebirgsflüssen hat Folgen für das gesamte Ökosystem, z. B. die Alpen
abweisende Nasen, einst ein Massenfisch im Rhein und Donausystem, kann durch ihre direkte Wirkung als
Ökosystemdienstleister die Lebensbedingungen für kieslaichende Fischarten, Insekten und Muscheln direkt
verbessern. Andere Großfische, wie der Döbel, bewirken dies indirekt.

Unter der Beute befinden sich auch gefährdete und daher geschützte Fischarten, wie Aal, Lachs und Äsche.

Die wirtschaftliche Bedeutung von Fischarten ist regional unterschiedlich. Häufig stehen auch Brassen und
Rotaugen auf dem Speisezettel. Von wertlosen „Weißfischen“ zu sprechen ist daher sowohl ökonomisch als
auch ökologisch geradezu fahrlässig.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Zweierlei Maß

Während die Vogelschützer zum Schutz z. B. des Schwarzstorchs das Zurückdrängen des Waschbären
fordern oder die Waldfreunde – ganz aktuell die Grünen in Bayern – den Abschuss von Schalenwild zum
Schutz vor Waldverbiss propagieren, bleiben die Kormoransbestände weitgehend unreguliert.

Schlimmer noch: anstatt die Fischbestände vor Fang der Kormorane zu schützen und beispielsweise dem
Rückgang von Dorsch und Hering entgegenzuwirken, greift die Politik zum einfachen Mittel, um
Handlungsfähigkeit zu beweisen: Es werden Fangverbote verhängt und Quoten gekürzt. Der ohnehin stark
gebeutelten Küstenfischerei wird dadurch noch weiter zugesetzt.

Aber auch die Fischerei in Binnengewässern befindet sich auf Talfahrt. Gegen direkte Schäden durch
geschützte Fischräuber (z. B. Kormorane, Silberreiher. Graureiher, Gänsesäger, Mink oder Fischotter) sind
die Fischereibetriebe weitgehend machtlos. Hinzu kommen vom Biber verursachte Schäden an Teichanlagen,
die zu erheblichen Kosten führen.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Bundesregierung und EU-Kommission tatenlos

Dem Treiben der insgesamt rund 120.000 Tausend Kormoranen in Deutschland und rund 2.000.000
Kortmoranen in Europa schauen die Bundesregierung und die Europäische Kommission dagegen weiterhin
tatenlos zu. Einzig ihr Hinweis, dass die Umsetzung der EU-Vogelrichtlinie Sache der Mitgliedsstaaten der EU
und somit in Deutschland Sache der Bundesländer ist, wird dieser seit Jahren bekannten Problematik
keinesfalls gerecht.

Die Resolution des Europaparlaments aus 2018, die eine drastische Reduktion des Kormoranbestandes
fordert, wird von der EU-Kommission und der Bundesregierung völlig ignoriert. Genauso wie die zahlreichen
nationalen und internationalen Beschlüsse und Resolutionen, die im aktuellen Heft 96 des Deutschen
Fischerei-Verbandes e. V. aufgeführt ist.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Was muss geschehen:

– Ergänzung des „Lex-Wolf“ durch ein „Lex schadensträchtige Arten“ im Bundesnaturschutzgesetz
– Aufnahme des Kormorans in Anhang II der Vogelrichtlinie
– Verpflichtung der Behörden zur Bestandsregulierung als Mittel der Schadensprävention auch in Naturschutzgebieten